Dr. Ulrike Fischer

Ganzheitliches Ernährungscoaching mit Yoga für mehr körperliches und seelisches  Wohlbefinden 




08.02.2023

Kann die Ernährung bei Allergien helfen?

Du möchtest, dass deine Allergie erträglicher wird. Oder du hast Heuschnupfen und plötzlich verträgst du bestimmte Lebensmittel nicht mehr. Woher kommt das und was kannst du tun? Diesen Fragen werden wir jetzt mal auf den Grund gehen.

Wie funktioniert das Immunsystem bei Allergien und wie entsteht eine allergische Reaktion?

Wenn Fremdstoffe in den Körper gelangen, reagiert das Immunsystem. Es übersetzt die fremden Moleküle in verständliche Botschaften und identifiziert Freunde und Feinde. Bei Feinden löst es Entzündungen aus, was als übermäßige Abwehrreaktion des Immunsystems bezeichnet wird

Im ersten Kontakt mit einem Allergen treten normalerweise noch keine Symptome auf, da sich Körper und Allergen erst kennenlernen müssen. Nach einer Sensibilisierung, in der spezifische Antikörper gebildet werden, kann beim nächsten Kontakt eine allergische Reaktion stattfinden, was eine Abwehrreaktion des Körpers gegen den Feind darstellt.

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Kreuzreaktionen

Teilweise kommt es vor, dass das Immunsystem Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen einem Freund und einem Feind hat. Durch eine Verwechselung reagiert der Körper plötzlich auf normalerweise harmlose Stoffe mit übersteigerter Abwehr. Diese sogenannten Kreuzreaktionen passieren oft bei Lebensmittel der gleichen Familie, die ähnliche Eiweißstrukturen aufweisen. Außerdem können neue Fremdstoffe leichter Irritationen auslösen, wenn die Schleimhäute erst mal angegriffen sind.
Stell dir mal vor, du bist sehr gestresst und flitzt durch die Stadt, dann läuft dir ein Freund über den Weg und du erkennst ihn nicht oder du wimmelst ihn ab. So kann es auch deinem Körper gehen, wenn er durch Entzündungsprozesse geschwächt ist und daher auf immer mehr Nahrungsmittel allergisch reagiert bzw. Freunde und Feinde verwechselt.
Auch die Bakterien oder Mikroorganismen im Darm haben einen Einfluss darauf, wie der Körper auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert. Bei der Übersetzung der Botschaften aus der Nahrung kommt es darauf an, dass das Immunsystem im Darm, Bakterien besitzt, die die richtige Sprache verstehen. Leider ist bei vielen ein Großteil der Bakterienstämme durch Antibiotika oder verarbeitete Lebensmittel ausgelöscht oder traumatisiert. Das  Gleichgewicht unseres Immunsystems ist gestört und die Wahrscheinlichkeit an chronischen Entzündungen und Allergien zu erkranken, steigt.

Symptome

Allergien zeigen sich in Störungen vor allem an Haut, Schleimhäuten und Atemwegen, wie Ekzeme, Asthma oder Heuschnupfen. Übelkeit, Kopfschmerzen, Krämpfe, Herz-Kreislauf-Probleme oder Störungen im Magen-Darm-Trakt können auch auftreten. Menschen mit einer pollenausgelösten Nahrungsmittelallergie oder Kreuzreaktion haben oft Symptome im oder am Mund, wie Kribbeln an Zunge und Gaumen, Rötungen oder Schwellungen an den Lippen.

Auslöser für Allergien

Grundsätzlich kommen sehr viele verschiedene potenzielle Auslöser als Allergie-Ursache in Frage:
• Hygiene-Hypothese:
Die Hygiene – Hypothese wird auch als natürliche Allergenprophylaxe bezeichnet, bei der das Immunsystem von Kindern durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Keimen trainiert wird und lernt zwischen harmlosen Bakterien – den Freunden und pathogenen Bakterien – den Feinden, zu unterscheiden und sich zu wehren. In einer nahezu keimfreien Umgebung, fängt unser Immunsystem an sich zu langweilen und sucht sich harmlose „Opfer“, daher konnte in Studien gezeigt werden, dass eine Kindheit auf dem Bauernhof besser vor Allergien schützt als alles andere und sich auf der Haut von Stadtbewohnern eine geringere Vielfalt von Mikroorganismen befinden. Im Erwachsenenalter kann diese fehlende Abwehr nicht mehr nachgeholt werden, jedoch kann das Immunsystem durch probiotische Bakterien dahingehend gestärkt werden.

• Gene:
Wenn beide Elternteile Allergien haben, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 80 %, dass das Kind ebenfalls eine Allergie entwickelt. Ist nur ein Elternteil betroffen, so sinkt diese auf 40 %. Daran sieht man, dass die Gene einen große Rolle spielen, aber selbst wenn kein Elternteil oder naher Verwandter allergisch ist, kann im Lauf des Lebens mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 bis 15 Prozent dennoch eine Allergie auftreten. Somit müssen noch weitere Faktoren eine Rolle bei der Allergieentstehung spielen.

• Immunsystem – Darm:
Unser Immunsystem liegt zu ca. 70 % im Darm. Wenn sich in der Darmschleimhaut beispielsweise durch Gluten oder Milcheiweiß, mikroskopisch kleine Risse bilden (Leaky-Gut-Syndrom), können unverdaute Nahrungsteilchen und Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und der Körper greift diese fremden Teilchen an, indem er eine Entzündungsreaktion auslöst, d.h. das Immunsystem reagiert mit der Zeit auf immer mehr Substanzen übermäßig.

Daher lautet der 1. Schritt zur Besserung deiner allergischen Symptome: Lösche die Entzündungsherde! Und der 2. Schritt: Stärke dein Immunsystem! Aber dafür musst du erstmal wissen was noch Entzündungen auslöst oder das Immunsystem schwächt:

• kohlenhydratreiche Ernährung, hoher Kaffee- und Alkoholkonsum, sowie chronischer Stress schwächen die Nebenniere, so dass diese weniger Hormone mit entzündungshemmender Wirkung produziert
• Eine krankhaft veränderte Darmflora durch Antibiotika oder eine Hefepilzinfektion im Darm führt zu einer Entzündung und erhöht somit die Durchlässigkeit
Lebensmittelzusatzstoffe oder Pestizide überfordern - und Leberprobleme schwächen das Immunsystem oftmals
• Bei einem Vitamin D-Mangel der Mutter in der Schwangerschaft verschiebt sich die Regulation des kindlichen Immunsystems in die Richtung einer allergischen Überreaktion. Auch im Erwachsenenalter benötigt das Immunsystem für seine Funktion ebenfalls einen ausreichenden Vitamin D Spiegel.

Hierbei spielen jedoch noch sehr viele individuelle Faktoren eine große Rolle. So wird das Immunsystem beispielsweise durch verschiedene Lebensmitteln unterstützt, abhängig vom individuellen Stoffwechseltyp. Erst wenn Du die für Dich passende Ernährung gefunden hast, kann der Stoffwechsel optimal ablaufen, so dass auch Dein Immunsystem gut funktioniert.
Melde Dich gerne über das Kontaktformular unten und wir finden genau die passende Ernährung für Deinen Stoffwechseltyp und Dein Wohlbefinden

Das kannst du tun, damit deine Allergie erträglicher wird

Ernährung

Da Allergien Entzündungen im Körper verursachen, sollte die Ernährung insgesamt möglichst wenig Reizstoffe hierfür enthalten, um deinen Körper nicht dauerhaft in Alarmbereitschaft zu versetzten. Deine Ernährung sollte stattdessen entzündungshemmend wirken, um die Immunantwort aus dem Darm zu verringern. Das heißt, dass Zucker, Getreide, Milch und industriell hergestellte Pflanzenöle mit einem hohen Omega-6- Fettsäure-Anteil reduziert bzw. gemieden werden sollten. Stattdessen wird der Körper durch den hohen Gemüseanteil mit wichtigen Nähr- und Vitalstoffen versorgt. Ein hoher Anteil an Blattgemüse wirkt entgiftend auf den Körper und ist somit ebenfalls positiv für die Allergensymptomatik. Die Omega-3-Fettsäure-EPA beispielsweise aus fettem Seefisch oder Algenöl ist entzündungshemmend und somit mit einer geringeren Sensibilisierung einhergehend.

Häufig ist auch das sogenannte Autoimmun-Protokoll (AIP) sehr erfolgsversprechend, indem in einer ersten Eliminationsphase alle allergenen Lebensmittel, die den Darm reizen könnten, weggelassen werden. Die Dauer dieser Phase ist individuell verschieden und sollte lieber länger als zu kurz gewählt werden, damit der Körper eine ausreichend lange Zeit zur Abheilung hat.
In einer zweiten Phase – der Provokationsphase – werden nach und nach wieder Nahrungsmittel eingeführt. Hierbei wirst du feststellen, dass dein Körper dir sehr genau sagt, was ihm gut tut und was nicht, du musst ihm nur zuhören.
Unsere Vorfahren in der Steinzeit hatten zwar eine große Vielfalt an Lebensmittel zur Verfügung, aber aßen meistens das Gleiche. Neuartige Lebensmittel wurden langsam eingeführt beispielsweise durch Klimaänderungen oder die Erfindung neuer Werkzeuge. So solltest du es auch handhaben und dir Zeit lassen bei der Wiedereinführung von Lebensmittel, damit dein Körper Zeit hat sich anzupassen.
Du möchtest das Autoimmun-Protokoll ausprobieren, aber weist nicht genau wie? Dann melde Dich gerne über das Kontaktformular für ein kostenloses Kennenlernen.

Saisonale Unterschiede

Ein weiterer wichtiger Punkt im Zuge der Ernährung bei Allergien, ist die Stärke des Pollenflugs, dieser kann maßgeblich sein für die Stärke der Reaktion auf die Lebensmittel. In der Tabelle sind die Allergene mit ihrem saisonalen Vorkommen und die Lebensmittel mit deren möglichen Kreuzallergien aufgelistet und wie du siehst es ist nicht zwingend erforderlich ganzjährig auf das Kreuzallergie auslösende Lebensmittel zu verzichten, sondern bei einem regenerierten Immunsystem ist es außerhalb der Pollenflugsaison möglich dieses zu genießen.

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Aufbau der Darmflora

Da unser Immunsystem hauptsächlich im Darm ansässig ist und dies auch eine Schwachstelle bei Allergien darstellt, ist es sinnvoll, hier bei der Behandlung anzusetzen. Die Verwendung von Probiotika hat positive Auswirkungen gezeigt, da sie die Immunantwort im Darm verändern und dadurch die Symptome von Allergien gelindert werden können.
Um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, kann das Wachstum nützlicher Darmbakterien, wie z.B. Lactobazillen und Bifidobakterien, durch milchsauer vergorene Nahrungsmitteln, wie z.B. Sauerkraut oder probiotischen Präparaten, gefördert werden.
Das Darmbakterien Bacteroidetes ist für ein ausgewogenes Gleichgewicht der Besiedelung im Darm äußerst wichtig. Dieses Bakterium können wir selber bilden, wenn wir über die Ernährung mit viel Gemüse, reichlich Polyphenole (Antioxidantien) aufnehmen.
Präbiotika wie beispielsweise Inulin, enthalten keine lebenden Bakterien, sondern liefern das “Futter” für die gesundheitsfördernden Darmbakterien, damit sie sich schnell vermehren können. Diese kommen u.a. in Pastinake, Topinambur, Chicoree oder Artischoke vor.

Intermittierendes Fasten

Wenn deine Entzündungsprozesse im Körper weniger stark ausgeprägt sind, dann probiere es doch mal mit dem Intervallfasten- dem sogenannten intermittierenden Fasten. Hierbei lässt du beispielsweise eine Mahlzeit aus und nimmst erst nach einer verlängerten nächtlichen Fastenphase von 16 Stunden wieder Nahrung auf. Hierdurch hat der Darm länger Zeit sich zu erholen und Entzündungen werden reduziert, so konnte in Studien eine Verbesserung von Asthmaanfällen gezeigt werden.
Ausführlich kannst Du hierzu in dem Blogartikel Intervallfasten nachlesen.www.ernaehrung-dr-fischer.de/Blog

Fasten und Proteinfasten

Bei starken Allergien, die bereits allumfassende Entzündungsprozesse im Körper verursacht haben, kann eine Darmreinigung durch Fasten empfehlenswert sein. Anschließend erfolgt der Aufbau der Darmflora mit Darmkuren. Der Darm kann sich regenerieren und die Entzündungen abheilen.
Eine weitere Möglichkeit, um Entzündungen zu reduzieren ist das Proteinfasten bei dem an einem Tag in der Woche nicht mehr als 15 g Protein aufgenommen wird. Sobald dein Körper kein Eiweiß bekommt, geht er in die sogenannte „Selbstverdauung“ über, d.h. die Proteinverdauungsenzyme fangen an den Zellabfall im Körper abzubauen. Durch diese Tiefenreinigung deines Körpers wirst du einen starken Rückgang von Entzündungen feststellen.
Ein Eiweißmangel führt mit der Zeit zu einer Verschlechterung des Immunsystems und dem Abbau von Muskelmasse, daher gilt hier bitte nicht übertreiben – 1 Tag die Woche oder einmal im Monat für 3-5 Tage am Stück Proteinfasten, reicht vollkommen aus.

Weitere Tricks und Kniffe

Alles was deinen Körper reizt, kann Entzündungen verursachen, auch körperlicher oder psychischer Stress und Alkoholgenuss. Du könntest auch mal ausprobieren, ob das Lebensmittel eventuell nur in Kombination mit körperlicher Anstrengung eine allergene Reaktion bei dir auslöst. Weiter Tipps für deinen Alltag, die das Leben mit einer Allergie erleichtern können:

• Allergieauslöser in Lebensmitteln können durch schälen und zerkleinern oftmals entfernt oder zerstört werden. Geriebener Apfel kann z.B. manchmal von Pollenallergikern ohne Symptome gegessen werden
• Kochen zerstört das Allergen oftmals ganz, da es sich um Proteine handelt die durch Hitze denaturieren, wie Eier beim Kochen
• Bei Äpfeln ist das Allergiepotential je nach Sorte unterschiedlich. Viele Allergiker vertragen zum Beispiel alte Sorten besser, da diese noch mehr Antioxidantien (Polyphenole) enthalten
• Die gelbe Kiwi (Gold-Kiwi) wird von Kreuzallergikern häufig besser vertragen als die grüne Kiwi
• Grüner und weißer Tee enthalten viele Flavonoide, die Entzündungen reduziert, die allgemeine Immunfunktion unterstützten und die Heilung fördern
• Eine zusätzliche Dosis Magnesium wirkt ebenfalls entzündungshemmend und fördert die Abheilung von Hautausschlägen
• Ölziehen zur Entgiftung, hierzu morgens und abends einen Esslöffel Sesamöl in den Mund nehmen und für 10 bis 15 Minuten zwischen den Zähnen hin und her ziehen, anschließend das schaumig und dünnflüssig gewordene Öl ausspucken, den Mund mehrmals mit Wasser spülen und die Zähne gründlich putzen

Fazit:
Allergien können nicht geheilt werden, da einmal gebildete Antikörper nicht zurückgebildet werden können. Durch eine typgerechte, individuell angepasste Ernährung kann jedoch die Entzündung reduziert und das Immunsystem gestärkt werden, wodurch die Symptome gemildert werden können. So ist der Pollenflug besser  zu ertragen und du fühlst dich nicht hilflos deiner Allergie ausgeliefert.
Melde Dich sehr gerne über das Kontaktformular unten und wir finden gemeinsam auch für Dich die passende Ernährung.

Kannst du außerhalb der Pollenflugsaison alle Nahrungsmittel essen, die du sonst nicht verträgst oder gibt es dort Unterschiede?  Ich bin sehr gespannt, was du berichten wirst.

Bildnachweis: Pixabay, Cenzci

Ulrike - 16:14:43 | Kommentar hinzufügen

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